Betriebsversicherungen

Teil von Schadenorganisation optimieren: Abläufe und Zuständigkeiten

Schadenorganisation bewerten: Kennzahlen und Benchmarks

Schadenorganisation bewerten: Kennzahlen wie Schadenquote, Bearbeitungszeit und Regressquote erheben, mit GDV-Benchmarks vergleichen und richtig deuten.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Fünf Kennzahlen tragen die Bewertung: Schadenquote, Bearbeitungszeit, Regressquote, Schadenhäufigkeit und Ablehnungsquote.
  • Der GDV weist in seiner Spartenstatistik je Sparte Schadenquote und Combined Ratio aus, die Kraftfahrtversicherung seit Jahren über 100 Prozent.
  • Vergleichsebenen: eigener Vorjahreswert, GDV-Spartenwert, bester vergleichbarer Standort im Konzern.
  • Regress braucht einen dokumentierten Haftungsgrund, sonst bleibt die Regressquote niedrig.

Fünf Kennzahlen und ihre Rechenwege

Die Schadenquote setzt den Schadenaufwand einer Periode ins Verhältnis zum Beitragsvolumen. Die Bearbeitungszeit misst die Tage von der Schadenmeldung bis zur ersten Entscheidung. Die Regressquote zeigt, welcher Anteil regressfähiger Schäden tatsächlich durchgesetzt wird.

Kennzahl Formel Steuerungsfrage
Schadenquote Schadenaufwand / Beitragsvolumen Wie viel Beitrag geht in Schäden?
Bearbeitungszeit Tage von Meldung bis Entscheidung Wo stockt die Abwicklung?
Regressquote durchgesetzte Regresse / regressfähige Schäden Bleibt Geld liegen?
Schadenhäufigkeit Schäden je 100 Verträge Steigt das Risiko im Portfolio?
Ablehnungsquote abgelehnte Fälle / gemeldete Fälle Wie streitanfällig ist die Deckung?

Wer Rückstellungen einbezieht, darf sie im Folgemonat nicht herausrechnen. Jede Kennzahl braucht Stichtag, Bezugsgröße und einen Verantwortlichen.

Die Bearbeitungszeit hängt auch an Pflichten des Versicherungsnehmers. Melde- und Auskunftspflichten regelt das Versicherungsvertragsgesetz. Verzögerungen entstehen häufiger beim Versicherer als beim Kunden.

GDV-Benchmarks: welche Zahl wo steht

Der GDV veröffentlicht seine Spartenstatistik zur Schaden- und Unfallversicherung jährlich, die Detailreihen stehen im Statistischen Taschenbuch der Versicherungswirtschaft. Ausgewiesen werden je Sparte Schadenaufwand, Schadenquote und Combined Ratio. Die Combined Ratio stellt Schaden- und Kostenaufwand den verdienten Beiträgen gegenüber.

Über alle Sparten der Schaden- und Unfallversicherung bewegt sich die Combined Ratio nach diesen Reihen seit Jahren um die 95 bis 100 Prozent. Die Kraftfahrtversicherung liegt wiederholt darüber, Allgemeine Haftpflicht und Hausrat darunter. Solche Spannen sind der Korridor für Ihr Portfolio, keine Zielmarke.

Die Wohngebäudeversicherung schlug 2021 nach dem Hochwasser in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz deutlich aus dem langjährigen Mittel aus. Naturgefahren-Reihen für solche Ausreißer liefern der NatCatSERVICE von Munich Re und die sigma-Studien von Swiss Re.

Marktdaten der Aufsicht ergänzen das Bild über die Statistik der BaFin zur Versicherungswirtschaft. Für Mandantenvergleiche zu Bearbeitungszeiten fragen Sie Ihr Maklerhaus an, etwa Aon oder Marsh. Drei Vergleichsebenen genügen: Vorjahreswert, Spartenwert, bester vergleichbarer Standort.

Kennzahlen erheben: fünf Schritte

  1. Datenquellen festlegen: Schadenmeldesystem, Buchhaltung, Vertragsverwaltung des Versicherers.
  2. Stichtag und Periodenlänge definieren, etwa das Kalenderquartal.
  3. Regressfähige Fälle kennzeichnen, bevor die Zahlung ausgelöst wird.
  4. Werte monatlich berechnen und Abweichungen schriftlich kommentieren.
  5. Ergebnis gegen Vorjahr, GDV-Spartenwert und Standortvergleich stellen.

Der Forderungsübergang ist die rechtliche Grundlage jeder Regressquote. Nach § 86 VVG geht der Schadensersatzanspruch des Versicherungsnehmers auf den Versicherer über, soweit dieser den Schaden trägt. Fehlt diese Voraussetzung, gilt der Fall nicht als regressfähig.

Rechenbeispiel: Schadenquote und Regressquote

Beispielrechnung für ein Gewerbeportfolio, jeweils für ein Geschäftsjahr: Beitragsvolumen 1.200.000 Euro netto ohne Versicherungsteuer, Schadenaufwand einschließlich Rückstellungen 720.000 Euro. Daraus ergibt sich eine Schadenquote von 60 Prozent. Im Vorjahr lag sie bei 54 Prozent. Der Anstieg um sechs Prozentpunkte ist der Befund, nicht der Absolutwert.

Beim Regress stehen 40 regressfähige Schäden 26 durchgesetzten Fällen gegenüber, die Regressquote beträgt 65 Prozent. Die Erlöse summieren sich im Geschäftsjahr auf 78.000 Euro, im Schnitt 3.000 Euro je Fall.

Regress setzt eine Schadensersatzpflicht Dritter voraus. § 823 BGB regelt diese Pflicht bei vorsätzlicher oder fahrlässiger Schädigung. Erfassen Sie Haftungsgrund, Datum und Fundstelle direkt bei der Schadenanlage.

Fällt die Regressquote unter 50 Prozent, prüfen Sie zuerst die Fallkennzeichnung, danach die Durchsetzung.

Häufige Fragen

Wie oft sollten die Kennzahlen berechnet werden?

Bearbeitungszeit und Fallzahlen monatlich, Schadenquote und Regressquote quartalsweise. Quartalswerte brauchen einen klaren Stichtag, sonst sind sie nicht vergleichbar.

Welche Benchmark ist aussagekräftig?

Der GDV-Spartenwert für die Marktposition, der eigene Vorjahreswert für die Entwicklung. Beide zusammen verhindern Fehlschlüsse aus einer einzelnen Zahl.

Warum weicht meine Schadenquote vom GDV-Wert ab?

Weil der GDV Durchschnitte über alle Versicherer und Risikogrößen ausweist. Branche, Anlagengröße und Selbstbehalt verschieben den Wert erheblich.

Ab welcher Schadensumme lohnt sich Regress?

Setzen Sie eine Bagatellgrenze und rechnen Sie Fallkosten gegen den erwarteten Erlös. Unterhalb der Grenze lohnt die Prüfung des Haftungsgrunds selten.

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